2008: DIE SEYCHELLEN SIND PLEITE. WAS NUN?

Im zweiten Halbjahr 2008 erreichte die größte Finanzkrise seit 1929 die Seychellen. Sie zeigte sich im Zinsanstieg, Währungs-, Börsen- und Schuldencrash. Der Libor-Zinssatz kletterte von 1 % auf fast 6 %.

Premier Building Seychelles (C) JUREBU
Premier Building Seychelles (C) JUREBU

Warum kam es 2008 zur globalen Finanzkrise?

Die Deregulierung der US-Hypothekenfinanzierung („Sub-prime-Hypotheken“) mit anschließender Sub-Prime-Krise führte zur Pleite zentraler US-Hypothekenfinanzierer. Diese löste die Pleite von Investitions- und Geschäftsbanken aus. Die Zahlungsunfähigkeit vieler Schuldner und von Großbanken führte in Folge zu einer globalen Kredit- und Liquiditätskrise. Sie brachte den US-Dollar unter Druck. Er verlor von 2002 bis 2008 fast 50 % seines Wertes.

Warum traf die globale Finanzkrise die Seychellen?

Da die Seychellen den US-Dollar als Ankerwährung benutzen, sind sie anfällig für alle Probleme des US-Dollars. Sie importierten 2008 den Währungscrash und die Inflation der Rohstoffpreise über den USD. Ein Barrel Öl der Sorte WTI kostete damals an den Terminmärkten bis zu 110,20 Dollar. Soviel wie noch nie zuvor. Für die stark importabhängigen Seychellen war es die Katastrophe.

Warum kam es noch schlimmer?

Die Zentralbank konnte durch den fixen Wechselkurs nicht flexibel reagieren und die Probleme abwehren. Sie entschied 2008, die Seychelles Rupee 2008 floaten zu lassen. Im November 2008 stieg der Dollarkurs auf 1: 17,5 Rupien. (Mitte der 90er Jahre war er auf dem Rekordtief von etwa 1: 4,5 Rupien.) Es war der kritischste Schritt in der Politik des Landes, um künftigen Krisen zu entgehen.

Warum die Staatspleite?

Die Wirtschaft war einseitig entwickelt

Die Seychellen Regierung übernahm 1976 mit der Unabhängigkeit von Großbritannien eine einseitig entwickelte Wirtschaft. Sie nahm 230 Millionen Dollar Kredite für Wirtschaft, Tourismusentwicklung und staatliche Subventionen in der Sozialpolitik auf.

Die Bevölkerung verdoppelte sich

Das bedeutete, dass Wohnraum geschaffen werden musste. Doch woher das Land nehmen? Landgewinnung war der Ausweg. Doch das kostete enorm.

Schulden vervierfachten sich

Vor der Schuldenkrise waren die Seychellen das am höchsten verschuldete Entwicklungsland mit 60 % ihres Bruttoinlandproduktes (Zum Vergleich: Deutschland war 2017 mit 63,7 % des BIP verschuldet.). Da die Seychelles Rupie das Vierfache ihres Wertes verlor, stiegen die Staatsschulden um das Vierfache an.

Handelsungleichgewichte entstanden

Das Problem der Handelsungleichgewichte verstärkte den negativen Trend. Es konnte nicht das Vierfache exportiert werden, obwohl die Rohstoffimporte das Vierfache kosteten.

Seychellen waren 2008 zahlungsunfähig

Im zweiten Halbjahr 2008 waren die Seychellen zahlungsunfähig. Eine schwere Staatsschuldenkrise und Staatspleite waren die Folge. Mit der IWF-Rettungsaktion im Dezember 2008 auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise wendete sich das Blatt.

Es erwischte auch andere Länder

Portugal, Irland, Griechenland und Spanien folgten den Seychellen. Zum Vergleich: Die britischen Schulden beliefen sich auf 364 % des BIP. Irland erreichte im Privatsektor  Schulden im Wert von 900 % des BIP.

Es startete ein umfassendes Struktur-Reformprogramm

Mit Hilfe des IWF starteten die Seychellen ein umfangreiches Struktur-Reformprogramm, das 2010 erste Wirkungen zeigte. Die Wirtschaft erholte sich.

Währungs-, Steuer-, Wechselkurs- und Strukturpolitik wurden angepasst

Auslandsschulden wurden umgeschuldet, die Fiskal- und Geldpolitik verschärft. Langjährige strukturelle Ungleichgewichte wurden durch die Förderung des privaten Sektors und Privatisierung beseitigt.

Das Steuersystem der Seychellen wurde 2010 reformiert

Ein neues Steuergesetz wurde ab 1. Januar 2010 eingeführt. Ab 1. Januar 2012 mussten 15 % Mehrwertsteuer gezahlt werden.

Die Staatsfinanzen wurden saniert

Die Sanierung der Staatsfinanzen hatte ihren Preis: Mit der Einführung von 15 % Mehrwertsteuer stiegen die Zimmerpreise der Hotels, Pensionen und Dienstleistungen.

Der Ausverkauf attraktiver Grundstücke begann

Einige Strände und besonders attraktive Grundstücke wurden von der Seychellen Regierung an 15 ausländische Hotelketten verkauft. Stets mit eigenem Privatstrand.

Hotelkette Savoy

Auf Mahé baute die englische Hotelkette Savoy ihr sechsstöckiges Luxusresort. Die Naturschützer liefen Sturm. Umsonst.

Ausländische Investoren erwarben die "Filetstücke"

Investoren aus Saudi-Arabien, Abu Dhabi, Qatar, Russland und Südafrika kauften sich auf den Seychellen ein. Im kleinen Fischerort Port Glaud erwarben russische Investoren ein Grundstück. So groß wie zwei Fußballfelder mit zehn Meter hohem Wasserfall als Highlight.

Eden Island entstand

Im Hafen von Eden Island auf der Hauptinsel Mahe schaukeln heute protzige Prinzen-Yachten aus Katar und den Emiraten. Wie die 80 Meter lange „Constellation“ aus Doha. 22 Mann Besatzung.

Raffles auf Praslin

Luxus-Ressorts, wie das „Raffles“ auf Praslin, verdanken ihre Existenz dem saudi-arabischen Prinzen Walid bin Talal bin Abdel Aziz al Saud.

Ballermann-Atmosphäre in russischen Hotels

Ballermann-Atmosphäre zog vor allem durch russische Touristen in Hotels mit russischen Betreibern ein.

Protzige Investorenarchitektur statt Naturschutz

Ruhe, Schönheit und tropische Reichhaltigkeit wurden und werden leider immer stärker von protziger Investorenarchitektur verdrängt. Auf dem Bergkamm von Mahé thront mit 360-Grad-Rundumblick der sechs geschossige Palast von Scheich Khalifa bin Zayed bin Sultan al-Nahyan, dem Prinzen von Abu Dhabi. So etwas wäre vor der Krise undenkbar gewesen.

Die Seychellen wurden leider ein Paradies für arabische Royals, verwöhnte Jetset-Sterne und übergewichtige Millionäre.

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2008: DIE SEYCHELLEN SIND PLEITE. WAS NUN?
Die Seychellen benutzen den US-Dollar als Ankerwährung. Dadurch importieren sie die Inflation. Aber warum kommt es zur Staatsinsolvenz? Wie sanieren sie?
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