Sonntag, 19. März 2017

2008: Die Seychellen sind pleite. Was nun?

Im zweiten Halbjahr 2008 hat die größte Krise seit 1929 die Weltwirtschaft erreicht. Sie zeigt sich im Zinsanstieg, Währungs-, Börsen- und Schuldencrash. Der Libor-Zinssatz klettert von 1 % auf fast 6 %. Der wachsende Risikoaufschlag der Banken ist ein deutlicher Indikator.

Regierungsgebäude der Seychellen in Victoria
Premier Building Seychelles
Warum kommt es 2008 zur globalen Finanzkrise?

Verursacher sind die USA. Die Deregulierung der Hypothekenfinanzierung („Sub-prime-Hypotheken“) mit anschließender Sub-Prime-Krise führt zur Pleite zentraler Hypothekenfinanzierer. Diese löst die Pleite von Investitions- und Geschäftsbanken aus. Die Zahlungsunfähigkeit vieler Schuldner und von Großbanken führt zu einer globalen Kredit- und Liquiditätskrise. Sie bringt den US-Dollar unter Druck. Er verliert von 2002 bis 2008 fast 50 % seines Wertes.

Warum trifft es die Seychellen?

Da die Seychellen den US-Dollar als Ankerwährung benutzen, sind sie anfällig für alle Probleme des USD. Sie importieren den Währungscrash und die Inflation der Rohstoffpreise über den USD. Ein Barrel Öl der Sorte WTI kostet an den Terminmärkten bis zu 110,20 Dollar. Soviel wie noch nie zuvor. Für die stark importabhängigen Seychellen ist es eine Katastrophe.

Warum kommt es noch schlimmer?

Die Zentralbank kann durch den fixen Wechselkurs nicht flexibel reagieren und die Probleme abwehren. Sie entscheidet, die Seychelles Rupee im Jahr 2008 floaten zu lassen. Im November 2008 steigt der Dollarkurs auf 17,5 Rupien. (Mitte der 90er Jahre war er auf dem Rekordtief von etwa 1: 4,5 Rupien.) Es ist der kritischste Schritt in der Politik des Landes, um künftigen Krisen zu entgehen.

Warum die Staatspleite?

Die Seychellen Regierung übernimmt mit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1976 eine völlig einseitig entwickelte Wirtschaft, schlechte Infrastruktur und ein unzureichendes Bildungswesen. Dies führt zu einer Kreditaufnahme von 230 Millionen Dollar für Wirtschaft, Tourismusentwicklung und staatliche Subventionen in der Sozialpolitik. Erschwerend kommt eine Verdopplung der Bevölkerungszahlen hinzu. Wohnraum muss geschaffen und Land gewonnen werden.

Vor der Schuldenkrise sind die Seychellen das am höchsten verschuldete Entwicklungsland mit 60 % ihres BIP. Da die Seychelles Rupie das Vierfache ihres Wertes verliert, steigen die Staatsschulden um das Vierfache an.

Das Problem der Handelsungleichgewichte verstärkt den negativen Trend. Es kann nicht das Vierfache exportiert werden, obwohl die Rohstoffimporte das Vierfache kosten.

Im zweiten Halbjahr 2008 sind die Seychellen zahlungsunfähig. Eine schwere Staatsschuldenkrise und Staatspleite sind die konsequente Folge. Mit der IWF-Rettungsaktion im Dezember 2008 auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise wendet sich das Blatt.

Es folgen vier Opfer der Finanzkrise in der Eurozone: Portugal, Irland, Griechenland und Spanien. Zum Vergleich: Die britischen Schulden belaufen sich auf 364% des BIP. Irland übersteigt diese Privatsektor-Liga mit Schulden im Wert von 900% des BIP.

Umfassendes Struktur-Reformprogramm 

Mit Hilfe des IWF starten die Seychellen ein umfangreiches Struktur-Reformprogramm, das 2010 erste Wirkungen zeigt. Die Wirtschaft erholt sich.

Währungs-, Steuer-, Wechselkurs- und Strukturpolitik werden angepasst, Auslandsschulden umgeschuldet, die Fiskal- und Geldpolitik verschärft. Langjährige strukturelle Ungleichgewichte werden durch die Förderung des privaten Sektors und Privatisierung beseitigt.

Ein Wirtschaftssteuergesetz zum 1. Januar 2010 sieht u. a. die Einführung einer Mehrwertsteuer ab 1. Januar 2012 und die Modernisierung des Steuersystems vor.

Sanierung der Staatsfinanzen

Doch die Sanierung der Staatsfinanzen hat ihren Preis: Mit der Einführung von 15 % Mehrwertsteuer steigen die Zimmerpreise der Hotels, Pensionen und Dienstleistungen.

Einige Strände und besonders attraktive Grundstücke werden von der Seychellen Regierung an ausländische Investoren verkauft.

Auf Mahé baut die englische Hotelkette Savoy ihr sechsstöckiges Luxusresort. Die Naturschützer laufen Sturm. Umsonst.

Weitere 14 Grundstücke gehen an andere große Hotelketten. Stets mit eigenem Privatstrand.

Investoren aus Saudi-Arabien, Abu Dhabi, Qatar, Russland und Südafrika kaufen sich jetzt ein. Im kleinen Fischerort Port Glaud erwerben russische Investoren ein Grundstück. So groß wie zwei Fußballfelder mit zehn Meter hohem Wasserfall als Highlight.

Im Hafen von Eden Island auf der Hauptinsel Mahe schaukeln protzige Prinzen-Yachten aus Katar und anderen Emiraten. Wie die 80 Meter lange „Constellation“ aus Doha. 22 Mann Besatzung.

Luxus-Ressorts, wie das „Raffles“ auf Praslin, verdanken ihre Existenz dem saudi-arabischen Prinzen Walid bin Talal bin Abdel Aziz al Saud.

Ballermann-Atmosphäre zieht vor allem durch russische Touristen in Hotels mit russischen Betreibern ein.

Die Seychellen sind nun ein Paradies für arabische Royals, verwöhnte Jetset-Sterne und übergewichtige Millionäre.

Ruhe, Schönheit und tropische Reichhaltigkeit werden leider immer stärker von protziger Investorenarchitektur verdrängt. Auf dem Bergkamm thront mit 360-Grad-Rundumblick der sechsgeschossige Palast von Scheich Khalifa bin Zayed bin Sultan al-Nahyan, dem Prinzen von Abu Dhabi. So etwas wäre vor der Krise undenkbar gewesen.

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